Schwarze Pferde und die Dunkelheit – aus „Jeder Tag Gedankentanz“

17:31 Uhr
Vielleicht. Ja, vielleicht liegt das Geheimnis irgendwo dort verborgen. In der Vereinigung des Ganzen. Im Erfahren des Ganzen an sich. Im Erleben des Erlebens. Im Freuen über die Freude. Im Spaß am Spaß. Männlich, weiblich. Schwarz, weiß. Dick, dünn. Schwer, leicht. Was macht das schon für einen Unterschied.
Wir haben es verdient, jeder von uns, die zu sein, die wir sein möchten. Das zu versuchen, was wir versuchen möchten. Zu probieren, zu üben, zu experimentieren. Einfach schauen, was geht. Wie kann ich mich erfahren? Wie möchte ich sein? Wie bin ich als Künstler? Wie bin ich als Autorin? Wie bin ich als Pferdemensch? Wie bin ich als Mutter von eins, zwei, drei, vielen Kindern?
Wie bin ich wenn ich meinen Impulsen freien Lauf gebe? Wie bin ich, wenn ich es nicht tue? Wie bin ich, wenn ich es manchmal tue? Und so weiter.
Manchmal habe ich das Gefühl, es quetscht die Worte und Texte aus mir heraus. Dann muss ich mich beeilen, rechtzeitig am Computer zu sein, um nicht den Run zu verpassen. Dann muss ich mich sofort um den Kanal kümmern. Mein Rücken schmerzt, im Bereich der Brustwirbel, untere Brustwirbel, mir wird ein bisschen schwindelig, ich hebe ein bisschen ab, verlasse meinen Körper ein klein wenig, um Platz zu machen für das, was da durch will. So kann es ungehindert geboren werden. Schlüpfen. Und es lebt. Ja! Geschafft! Es ist ein Text!
Ich bin übrigens wieder bei meinen Mädels gelandet. Stutenherde.
Ich blicke auf meine Schuhe. Sie sehen alt aus. Alte Turnschuhe. Ausgelatscht. Ist das gut? Keine Ahnung. Es ist. Sie sind ausgelatscht. Ziemlich. Liegt wahrscheinlich daran, dass es meine einzigen Turnschuhe sind. Sonst besitze ich nur Lederstiefel. Einmal für den Stall und einmal fürs Ausgehen. Und sonst auch noch circa zwölf Paar Schuhe oder Stiefel, die ich aber nie anhabe, weil sie entweder nicht passen, unbequem sind oder einfach scheiße aussehen. Warum ich sie habe? Keine Ahnung. Die haben sich halt so gekauft. Wie das manchmal so passiert mit Schuhen.
Oder mit Pferden.
Neun Pferde. Bissl viel? Ich weiß nicht. Vielleicht. Auch sie sind einfach so hier aufgetaucht. Ups. Auf einmal waren s neun. Ich habe neun Pferde um mich selbst zu erkennen. Diese Erkenntnis habe ich irgendwann erkannt. Ist das wahr? Vielleicht. In jedem Fall scheint es so, dass jedes Pferd etwas über mich trägt. Oder sagen wir, jedes Pferd wirft mir ein anderes Bild über mich zurück. In jedem Wasser ist es anders zu baden.
Die Gewässer an sich zu beschreiben, das verschiebe ich auf ein anderes Mal. Und es ist ja sehr subjektiv. Es ist ja auch Tagesform abhängig. Heute ist es so und morgen anders. Und doch gibt es einen Grundtonus, der sich durch alle Tage trägt. Der immer klingt. Somit würde ich doch sagen, dass jedes Pferd, so wie jedes andere Lebewesen oder jedes andere Wesen – übrigens auch Steine, Pflanzen und Maschinen – seinen eigenen Klang, seine eigene Essenz in sich trägt.
Diese Worte sind ja so abgedroschen. Ich wünschte ich könnte neue finden, welche mein Gefühl dazu besser beschreiben würden. Jedes Wesen hat sein eigenes Wesen. Und doch lebt in jedem Wesen dasselbe Wesen. Das Urwesen. Das uns allen innewohnt. Der lila Urgrund.
Lila? Keine Ahnung wie ich auf lila komme. Purpur. Dunkelpink.

lies weiter ….