Fortsetzung Pferdebegegnung

Wenn du möchtest lies zuerst den Anfang

So kommt die Frage auf: Wie kann ich etwas umsetzen wenn ich nicht mal genau weiß oder greifen kann was passiert. Vielleicht ist deshalb das Wort transformieren ein besseres. Umwandeln. Oder verwandeln. Einfach wandeln.

Ich mache eine Erfahrung. Und ich kann nicht immer greifen was passiert. Vielleicht sogar ziemlich selten. Vielleicht auch nie. Ich weiß wohl was im Außen geschieht oder geschehen ist, kenne den Ablauf des Vorganges.
Ich hab mir ´nen Kaffee gekocht, mich hingesetzt, getrunken, genossen, gelesen, geredet, und so weiter. Hinterher bemerke ich, dass meine Realität ein bisschen verschoben ist. Nein, im Kaffee war nichts drin und ich hab auch keine Koffeinallergie! 🙂 Was ich meine ist, dass Transformation einfach stattfindet. Und deshalb so schwer zu greifen, kaum bemerkbar ist, wenn sie vorgeht. Doch unter Umständen zu spüren ist, wenn sie bereits passiert ist.

Was ich tun kann: aufmerksam bleiben, für die Dinge, die da unten drunter oder dahinter oder in welcher Relation auch immer geschehen, für das, was sich verschiebt, denn es verschiebt sich immer etwas. Irgendwie. (auch nicht verschieben ist eine Verschiebung – Ruhe ist auch eine Bewegung …)

Ich weiß, das klingt sehr pauschal, doch wenn ich genau lausche, dann erlebe ich es so. Und dann ist es vielleicht möglich, die erlebte Situation zu wiederholen. Nicht den Ablauf. Aber das Erlebte, die Gefühle, die Schwingung, DAS (ich reibe meine Finger aneinander, als würde ich schnipsen wollen, nur nicht so fest reiben), das Sirren, das Bitzeln, das Wesentliche des Moments, die Essenz, nenn es wie du möchtest.

Und um jetzt nochmal auf die Pferderfahrung zurück zu kommen: Was ich erlebe sind einerseits sogenannte Fakten, Abläufe, Aneinanderreihungen von Ereignissen (die ich natürlich zusätzlich symbolisch mit Bedeutung füllen könnte). Ich stehe da, das Pferd kaut, das Pferd geht, ich gehe mit, etc. Andererseits habe ich währenddessen bestimmte Gefühle, es drehen sich Gedanken in meinem Kopf, mein Körper reagiert, es kribbelt hier, es schmerzt dort, meine Selbstwahrnehmung verschiebt sich und am Ende bleibt … vielleicht ein klarer Geist, ein erschöpfter Körper und ein erfülltes Herz. – Nur als Beispiel. – Ich empfinde vielleicht Freude über diese Erfahrung. Auch wenn sie in Zügen vielleicht in der Tat schmerzhaft ist. Und eben nicht greifbar.

Wie hab ich das „geschafft“? Wie habe ich es geschafft, etwas so zu genießen? Und es fühlte sich so leicht an?

Hingabe. Ich habe mich hingegeben, dem Moment hingegeben, der Erfahrung hingegeben. Einfach so. Ich fühlte mich geborgen und aufgehoben. Angenommen, so wie ich bin. Das Pferd hat dazu beigetragen. Der wesentliche Punkt dabei ist dennoch, ich fühlte mich eigentlich von mir selbst angenommen und getragen.

Beobachtung. Ich habe mich beobachtet und die Situation an sich. Das heißt nicht, dass ich nicht in meinem Körper anwesend war. Das heißt nur, dass ich mich eben nicht mit alledem was da so passiert ist identifiziert habe, daraus eine Geschichte gesponnen habe (z.B. Das Pferd geht = es mag mich nicht). Ich habe den Abläufen, Gedanken, Gefühlen die Chance gegeben einfach zu geschehen, ohne sie (und mich) dafür zu verurteilen. Ich war neugierig auf das, was passiert und habe einfach agiert oder reagiert, wenn ein Impuls kam.

Da sind wir wieder beim Tanz.

Und DAS meine ich, was in den Alltag zu transformieren möglich sei. Etwas, das ich vielleicht bezeichnen würde als Das Gefühl des Anfangs. Den Anfängergeist. Die Neugier an sich.

Probiere es doch mal aus. Sei neugierig auf das, was passiert.