5 Tipps für ein bewusstes Training mit deinem Pferd

Findest du dich auch manchmal wieder im Hamsterrad? Einfach funktionierend? Vor dich hin trudelnd. Machst halt. Machst auch viel was die anderen dir geraten haben. Machst einfach das, was du schon immer machst. Training halt. Dein Pferd macht vielleicht auch mit, größtenteils, aber irgendwie hast du das Gefühl es ist nicht richtig da. Du hast das Gefühl es denkt nicht mit. Du hast das Gefühl es ist gar nicht wirklich bei der Sache. Du fragst dich wie du es erreichen kannst. Du fragst dich, wie du eurer gemeinsamen Zeit vielleicht mehr Tiefe verleihen kannst. Vielleicht mehr wirkliche Gemeinsamkeit? 

Wie wäre es wenn du bei den Basics beginnst? Und ich meine damit keine Basics aus oder für das Pferdetraining. Ich meine wirkliche Basics. Ich meine einen Schritt zurück zu gehen. Und noch einen. Und vielleicht sogar noch einen. Und bei DIR zu schauen. Pferdearbeit ist immer Arbeit an dir selbst. Mit Pferden zusammen sein heißt immer auch Selbstreflexion. Richtig? Und wer weiß vielleicht fällt dir alles, was du danach im Anschluß machst noch viel viel leichter. Vielleicht ist es auf den ersten Blick nicht sonderlich bequem. Das könnte sein. Vielleicht fühlt es sich für dich im ersten Moment echt nicht stimmig an oder komisch und albern. Das könnte sein. Das ist sogar wahrscheinlich, weil es ein bisschen normal ist, wenn wir etwas Neues versuchen, fühlt es sich oft erst seltsam an. Was wäre wenn du einfach mal damit spielen würdest? Du könntest es probieren, ohne dass dir etwas passiert. Vielleicht sogar ohne dass du etwas erwartest. Du könntest es einfach testen. Beobachten. Herausfinden. Erforschen. Was geschieht?

Atem – BEOBACHTE DEINEN ATEMFLUSS

Schon so oft habe ich über den Atem geredet, geschrieben, nachgedacht. Er ist die Basis, die Säule des Lebens. Er verbindet innen mit außen. Er lässt das Leben durch uns fließen. Ich kann es gar nicht oft genug wiederholen, auch wenn ich es fast selbst nicht mehr hören kann – und vielleicht geht es dir ähnlich – aber ich muss gestehen es ist ist einfach super wichtig. Essenziell. Klar eigentlich oder? Und ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich sehr fest bin in meinem Körper,  sehr gehalten atme und das dazu führt, dass eben der Fluss sehr eingeschränkt ist. Eindrücklich wird das dann wenn du einmal bewusst drauf achtest. Ganz oft ist es dann so, dass alleine durch die Beobachtung der Atem wieder beginnt zu fließen. Der Körper wird entspannter, durchlässiger, freier. Als Barometer hast du dein Pferd. Vielleicht möchtest du für einen Moment mal nur den Atem testen. Atme frei und weich und schau wie dein Pferd reagiert. Vielleicht entspannt es sich. Atme gehalten, fest und gar nicht tief in den Bauch und schau wie dein Pferd reagiert. Vielleicht macht es sich fest oder es läuft schneller oder gibt dir mehr Abstand. Spiel damit.

Gefühl – NIMM DEINE EMOTIONEN WAHR

Ein weiterer Baustein, der dafür sorgt, dass der Flow in deinem Körper und auch deinem Geist nicht eingeschränkt wird, ist der freie Strom der Gefühle. Gefühle müssen fließen dürfen. Ungehindert. Denn sonst läuft man Gefahr, dass sie sich im Körper festsetzen und dort unter Umständen einen lähmenden Effekt haben. Sie bilden einen Damm für den Fluß. Gefühle muss man fühlen. Mit dem Herz. Und mit dem Rest des Körpers. Aber wie macht man das denn eigentlich? Nun ich würde einfach meine Aufmerksamkeit dahin legen. Den Gefühlen Aufmerksamkeit schenken und ihnen folgen mit dem Atem. Vielleicht braucht es nicht viel mehr Erklärung, vielleicht reicht die einfache Intention. Sie zu fühlen heißt übrigens nicht, sie auszuleben. Es heißt im ersten Schritt nur wahrnehmen, aufmerksam wahrnehmen. Das gibt ihnen automatisch Raum.

Was geschieht, wenn du deine Gefühle zurück hälst oder unterdrückst, weil du vielleicht glaubst, es ist besser sie deinem Pferd nicht zu zeigen? Du erzeugst einen Damm. Einen unnatürlichen Staudamm. Das sorgt für Spannung im Körper. Und was erzeugt die Spannung im Körper wiederum? Ein angespanntes Umfeld. Das überträgt sich in Null Komma Nichts auf dein Pferd und euer gemeinsamer Moment wird unentspannt. Es ist dir nicht möglich ein Feld zu erzeugen, in dem beide harmonisch sein, lernen und wachsen können. Stattdessen, nimm deine Gefühle wahr! Das wird entspannt sein. Übrigens kannst du nach dem Moment des Wahrnehmens immer noch entscheiden, wie du handeln möchtest, was du ausdrücken möchtest. Das muss sich nicht zwingend nach dem Gefühl richten.

Angst ist zum Beispiel eine Sache. Du nimmst sie wahr, gibst ihr dadurch Raum da zu sein, und handelst trotzdem mutig, gehst trotzdem weiter den Weg. Du läufst nicht weg oder lässt dein Vorhaben sausen.
Trauer oder Traurigkeit nimmst du wahr in einem Moment und es könnte sogar sein, dass dich diese Emotion einfach entspannt. Was nicht bedeutet, dass du dich umgehend heulend auf s Bett werfen musst unfähig irgendetwas zu tun.

Absicht – ÜBERPRÜFE DEINE INTENTIONEN

Stell dir für einen Moment ein paar Fragen. Erlaube dir diese Fragen zu stellen, für mehr Klarheit. Nicht um des Zweifelns willen, sondern rein deshalb um mehr Klarheit zu erlangen. Was willst du wirklich? Ist es gut jetzt genau daran zu arbeiten? Gibt es vielleicht etwas, das heute mehr dran ist, als das, was du gerade vorhattest? Lässt du dich ein auf den Moment? Vielleicht ist dein momentaner Zustand für etwas anderes bereit nicht für das, was deine Absicht war. Lass dich ein. Und überprüfe, ob es Sinn macht an dem, was du wolltest festzuhalten.

Gleichzeitig, wenn du dir darüber völlig klar bist in dem was du tun willst oder tust, überprüfe auch diese Klarheit mit jedem Atemzug. Wenn du die Entscheidung getroffen hast, was du tun willst, wohin du gehen willst, bleib dabei. Nicht für die nächste halbe Stunde, vielleicht erstmal für die nächsten zwei drei Atemzüge. Nicht für den Rest des Tages oder die nächsten Trainingseinheiten, aber für den nächsten einen Moment. Wähle und gehe den Schritt. Und tue das Schritt für Schritt. Überprüfe und handle. Überprüfe wieder. Das führt mich direkt zum nächsten Punkt, denn du bist ja nicht alleine in diesem Training.

Zuhören – WEIL ZUHÖREN TÜREN ÖFFNET

Du bist mit deinem Pferd. Und dein Pferd hat auch Empfindungen, Wahrnehmungen und Ideen was es machen könnte. Es hat vielleicht heute einen nicht so guten Tag für ruhige Arbeit, dafür mehr Power für etwas wildes. Höre ihm zu. Vielleicht hat es Informationen für dich die wichtig sind. Denn was irgendwie nicht geht ist dieses Tier in seiner Welt völlig zu übergehen und einfach unser Training durchzuziehen oder? Höre ihm zu. Nimm auch seinen Zustand, seine Bedürfnisse wahr. Höre ihm zu. Und wenn du glaubst du weißt nicht, wie das geht, dann kann ich dich beruhigen, denn ganz im Ernst ich glaube wir alle können das. Dem Gegenüber zuhören, dem Wesen in ihm zuhören, auch wenn es sich nicht in Worten artikulieren kann.

Für einen Moment ist es vielleicht wichtig sich ganz leer zu machen. Sich frei zu machen, von dem was man bereits weiß. Loszulassen, was man kennt und ganz einzutauchen in die Information die kommt. Manche sagen Herz zu Herz, andere hören es geistig sprechen. Ich bin sicher du hast bereits eine Gesprächsebene mit deinem Pferd gefunden. Vertraue darauf und höre ihm zu. Auch wenn dein verstand vielleicht zweifelt. Auch wenn dein Verstand vielleicht widerstand leistet. Lenke ihn ab, indem du dein Pferd einfach beobachtest und siehst, wie es gerade ist. Siehst wie es sich verhält, wie es guckt, wie es lauscht, wie es schnauft. Allein das ist viel Information und kann dir helfen, dich auf dein Pferd einzulassen. Ist es entspannt oder nicht? Aufmerksam oder nicht? Vielleicht im Geiste ganz woanders? Hör ihm zu. Und mach was draus.

Interpretation – HÖR AUF ZU ÜBERINTERPRETIEREN

Die Falle und die wir beim Zuhören und Beobachten oft tappen ist, dass wir das Aufgenommene übermäßig interpretieren. Klar, wir sind Menschen. Wir interpretieren, wir beurteilen, wir gewichten, wägen ab, sortieren, ordnen ein. Das hilft uns. Das hilft unserem Verstand. Gerne auch dem Rest des Systems. Und dennoch kann das manchmal echt hinderlich sein, richtig? Manchmal sind wir so mit Schubladisierung beschäftigt, dass es uns fast unmöglich ist unseren Geist offen zu halten für das was wirklich da ist. Für das was eigentlich passiert.

Da kommt ein Pferd auf eine Person zu und es heißt: „Sieh nur, der mag dich!“ oder: „Ach guck, Pferde sind immer so neugierig.“ oder: „Oh wie süß, es will ein Leckerli, hast nichts dabei?“. Oder andersherum: Da weicht zum Beispiel ein Pferd während einer Begegnung dem Menschen aus und es heißt gleich: „Der mag mich nicht.“ oder: „Ich weiß schon, ich bin heute schlecht drauf. Da erträgst du mich nicht, gell.“ oder: „Hast wohl heute einen schlechten Tag? Kannst Nähe nicht ertragen.“ Nun, ich verstehe diese Reaktionen und ich kenne sie von mir nur zu gut. So schnell sind wir in diesen Gedanken gefangen und geben vielleicht auf. Lassen uns herunter ziehen. Lassen uns mindestens beeinflussen. Und das ist der Moment wo Interpretation zerstört. Das ist der Moment in dem wir aufhören dürfen die Dinge zu sehr mit Information, mit größerer Bedeutung zu füllen, zu sehr zu gewichten.
Die Wahrheit ist doch, also was wirklich passiert ist, ist einfach: das Pferd hat sich angenähert. Wie schön! Oder es ist eben gewichen. Weggegangen. Hat Raum gegeben. Wie schön! Mehr erstmal nicht. Vielleicht weil irgendwo Spannung war. Selbst das ist bereits eine Interpretation. Was ist zu tun? Atmen. Am besten erstmal aus. Ausatmen. Kurz warten. Neu entscheiden. Vielleicht möchte man die Übung wiederholen. Vielleicht möchte man sich dem Pferd erneut nähern. Vielleicht möchte man herausfinden warum das Pferd gewichen ist. Vielleicht.

Vielleicht möchtest du einfach weiter forschen – genieße jede Sekunde! Ich danke dir für s lesen.